Julian Assange

Die Wahrheit – Darf es denn ein bisschen mehr sein?

Sind Sie zufrieden mit der Berichterstattung unserer Tage? Wenn Sie den Dingen gern auf den Grund gehen, dann dürften Sie mit Spannung die Ereignisse rund um den Gründer der Whistleplattform WikiLeaks Julian Assange verfolgen.Während er für viele der große Held unserer Zeit ist, sähen ihn andere lieber eingesperrt. Denn was auf der Enthüllungsplattform zu lesen ist, bekommt nicht jedem. Von Bedrohung der nationalen Sicherheit ist da die Rede, denn WikiLeaks weiß viel und zeigt alles. Die Regierung der Vereinigten Staaten fürchtet Assange wie der Teufel das Weihwasser. Denn die Veröffentlichungen problematischer Inhalte wie beispielsweise das umstrittene Militärvideo “Collateral Murder” könnte die Einstellung der amerikanischen Bevölkerung zum Krieg im Irak auf eine harte Probe stellen. Soldaten, die aus der Sicherheit eines Hubschraubers auf alles schießen, was sich bewegt als wäre es ein Computerspiel vermitteln nicht gerade das Bild von ehrenwerten Veteranen, das man in den USA unbedingt heraufbeschwören möchte. Aber wer ist es eigentlich, der uns so schonungslos die Augen öffnen möchte?

Julian Paul Assange – Ein Unruhestifter?

Wie wirkt er auf Sie? Macht der 40-Jährige Australier den Eindruck als sein er völlig “durchgeknallt” und warte nur darauf noch mehr Explosionen auszulösen? Oder glauben Sie es handelt sich um einen aufgeklärten, von seiner Sache sehr überzeugten Menschen, der die Welt verbessern möchte und nichts mehr liebt als die Wahrheit? Das bleibt allein Ihnen und Ihrer Menschenkenntnis überlassen.
Der Weg Julian Assange führte schon früh jenseits der Konformität. Seine Kindheit prägten häufige Umzüge, da die Ehe seiner Eltern in die Brüche ging und die Mutter gezwungen war aus unterschiedlichen Gründen ihren Wohnort zu wechseln. Als Student der Physik und Mathematik an der University of Melbourne sorgte er für einen Eklat. Die mathematische Fakultät seiner Universität unterstützte vertraglich die US-Arme indem sie Studien erstellte zum Verhalten von militärischen Fahrzeugen und zu ihren Optimierungsmöglichkeiten. Aus Protest exmatrikulierte sich Assange.
In den folgenden Jahren betätigte er sich unter dem Pseudonym “Mendax” (lat.: “Lügner”) innerhalb der Gruppe “International Subversives” als Hacker was ihm neben dem Bußgeld auch eine Bewährungsstrafe einbrachte. Weitere Aktivitäten folgten. Im Oktober 2006 ging unter seiner Führung WikiLeaks an die Arbeit. Auch wenn er sich selbst nicht als Gründer der Plattform sieht, für die Welt ist er die Galionsfigur. Aber genau das wenden einige seiner Mitarbeiter gegen ihn und kritisieren lautstark seine Arbeitsweise und sein omnipräsentes Auftreten was letztlich zu einer Spaltung führt.

Ermittlungen in Schweden – Eine Verschwörung?

Assange fühlt sich nur einem Ziel verpflichtet: Transparenz, keine Zensur und uneingeschränkter Zugang zu Informationen von öffentlichem Interesse. So berichtet Assange über Inhalte der Scientology-Kirche, Zwischenfälle in Afghanistan oder Verseuchung der Elfenbeinküste durch giftige Abfälle. Und er findet Unterstützer unter anderem in Island und Schweden. Aber ausgerechnet das liberale Schweden, in dem er die Zentrale und die Zukunft seiner Erfindung sieht, wird ihm zum Verhängnis. Nach einer Reise in das skandinavische Land werden nach dem Kontakt zu zwei jungen Frauen Gerüchte um sexuelle Belästigung und Vergewaltigung laut. Seit Spätsommer 2010 läuft in Schweden nun ein Verfahren gegen ihn. Assange, der nun mit dem Internationalem Haftbefehl gesucht wird, stellt sich im Dezember 2010 in London der Polizei und kommt in Untersuchungshaft. Gegen Zahlung einer Kaution kommt er vorerst frei, muss aber mit strengen Auflagen leben. Zwei Gerichte haben seit dem für eine Auslieferung nach Schweden plädiert. Beide Male ging Assange erfolglos in Berufung bis das High Court entschied, dass es zulässig sei eine Petition bei Supreme Court einzulegen, da die Angelegenheit von öffentlichem Interesse sei. Nun tagte Anfang Februar das Supreme Court, die höchste juristische Instanz hierzulande. Die Ergebnisse stehen noch aus. Sollte Assange hier scheitern, bleibt ihm noch der Gang zu Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg. Eine Auslieferung nach Schweden könnte auch eine Auslieferung in die USA nach sich ziehen je nach Auslegung des gültigen Auslieferungsabkommens zwischen Schweden und den USA. Und dann muss er, so glaubt Assange, um sein Leben fürchten.

Julian Assange News -Was gibt es Neues?

In diesen Tagen steht ein mutmaßlicher Informant der Plattform vor Gericht. Er wird formell angeklagt, geheime US-Militärdokumente über die Kriege in Irak und Afghanistan sowie Depeschen des US-Außenministeriums an Assange geliefert zu haben.
Darüber hinaus wird mit Spannung das Ergebnis der Anhörung vor dem Supreme Court erwartet. Bis dahin verbleibt Assange in Großbritannien.

Julian Assange und facebook – Ahnungslose Mitarbeiter des Geheimdienstes?

Zugegeben, es klingt nach einer Obsession. Der Internetaktivist Assange verurteilt aufs Äußerste facebook Google und Co. Er hält sie für eine gigantische Datenbank auf die auch Sicherheitsdienste Zugriff hätten. Die Anwender fungieren hier als nichtsahnende Informanten. Die Geheimdienste üben Druck auf die besagten Firmen und kommen so in Besitz der Daten. An dieser Stelle sei angemerkt was Julian Assange über facebook auch sagen mag, wichtig ist ein verantwortungsvoller Umgang mit diesem Medium.

Würdigung contra Verfolgung – Ein Widerspruch?

An vielen Stellen stößt die Arbeit von Julian Assange auf viel Enthusiasmus. So wurde er unter anderem 2009 mit dem Amnesty International Media Award ausgezeichnet und bekam 2011 von der Sydney Peace Foundation eine Goldmedaille für Frieden und Gerechtigkeit verliehen für seine Bemühungen um Menschenrechte.

Und noch mehr Julian Assange News – Bald auf der Leinwand?

Eine Verfilmung des Lebens des Julian Assange ist in Planung. Bereits zu sehen gibt es ihn – allerdings als Zeichenfigur – in der amerikanischen Kultserie “The Simpsons”. In der 500. Folge hat er eine Gastrolle ergattert und verleiht im Original der Figur sogar seine Stimme.

Aber auch von dem “echten” Assange werden wir wohl bald wieder hören. Bleibt abzuwarten, ob sich die Anschuldigungen erhärten und er am Ende ein verurteilte Krimineller sein wird oder sich das Ganze als politisch motiviert herausstellt und er in letzter Instanz rehabilitiert wird. Das eine wäre ein mögliches Ende der Enthüllungsplattform, das andere könnte ihr neue Kraft geben und zu einer Stimme verhelfen, die gehört wird.

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